SIEZT DU NOCH, ODER DUZEN SIE SCHON?

20.07.2011 13:27 von Florian Tress

Nun war das “Du” außerhalb der engsten Verwandtschaft einmal so etwas wie eine Auszeichnung von beachtlichem Seltenheitswert, Unterpfand einer unerschütterlichen Freundschaft, die über den äußeren gesellschaftlichen Rahmen hinaus auch innere, geistig-seelische Bindungen enthielt. In jüngster Zeit ist dieser wertvolle Hintergrund immer mehr verflacht.


Mit diesem “In jüngster Zeit...” zielte Erica Pappritz zwar auf die 1950er und 60er-Jahre ab, aber trotzdem ist das Zitat vielleicht aktueller den je. Man gewinnt heute leicht den Eindruck, dass man sich dem Du kaum noch entziehen kann, vor allem im Internet. IKEA, Facebook und iTunes duzen ungefragt, schließlich wirkt das jung, hip und unkompliziert. Bei genauerem Hinsehen ist man im Internet jedoch gar nicht so einheitlich per Du, wie man vielleicht meint. Amazon, gmx, oder die Wikipedia bleiben beim Sie, auch die Netiquette kommt ganz ohne “Du” aus. Zeit, sich einmal die Frage zu stellen, wie man es in seinem Onlinepanel halten möchte.


In der Onlineforschung ist das Duzen bzw. Siezen häufig ein kleines Problem. Alleine aus Zeit- und Kostengründen kann man nicht jeden Fragebogen in zweifacher Ausfertigung programmieren. So haben die meisten Onlinepanel eine eigene Regelung für den Umgang mit der Anrede; in unserem Panel werden zum Beispiel alle Mitglieder konsequent gesiezt. Zugegebenermaßen wirkt das manchmal merkwürdig, etwa wenn wir 14-jährige Jugendliche befragen (“Wie viel Taschengeld bekommen Sie?”), aber die Frage nach der Anrede hat auch eine methodische Dimension. Während das “Sie” dem Befragten Seriösität und Wertschätzung signalisiert, wirkt das “Du” persönlich und vertraulich. Bei sensiblen Fragestellungen oder Online-Fokusgruppen kann das in der Forschungspraxis durchaus einen Unterschied machen.


Bleibt die Frage, welche Anrede die Befragten selbst bevorzugen. Mehr noch als andere Internetangebote haben wir als Panelanbieter nämlich die Möglichkeit, die Wünsche unserer Nutzer genau erfahren und beherzigen zu können - in einer kleinen Eigenstudie. Das Ergebnis fällt dabei insgesamt denkbar knapp aus: 54% würden in Zukunft lieber geduzt werden, 46% wünschen sich die Beibehaltung des “Sie”. Alleine bei den über 70-Jährigen gibt es eine klare Mehrheit von 66%, die das Duzen ablehnt.

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Spannend ist jedoch auch ein Blick auf die Gründe, warum man lieber die eine oder andere Anrede hätte. Negativ formuliert ist das “Sie” zwar formell, steif und unpersönlich, positiv formuliert ist es dagegen ein Ausdruck von Respekt und gegenseitiger Achtung. Und während das “Du” als zeitgemäß bzw. dem Internet entsprechend empfunden wird, wird das “Sie” mit der sachorientierten und unpersönlichen Beziehung zwischen Umfrageportal und Panelist begründet. Die Entscheidung für die eine oder andere Anrede ist also häufig nur eine Ansichtssache.

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